Auschwitz Aufnahmen



Auschwitz-Birkenau
Photoband Auszug (PDF, ~450Kb)
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»Prolog«
Gerhard Schoenberner
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»Epilog«
Stefan Skowron
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»Intentions«
Marceline Loridan-Ivens
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Texte zum Film
Treatment
Synopsis
  Auschwitz-Birkenau
Eine Hommage an Marceline Loridan-Ivens

Der französische Regisseur Jerome Missolz fragte mich im April 2002, ob ich mir im Zusammenhang mit einer Filmproduktion die photographische Auseinandersetzung mit dem Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau vorstellen könnte.
Konkret ging es um einen Beitrag zu Marceline Loridan-Ivens autobiographischem Spielfilm »Birkenau und Rosenfeld«, so der deutsche Titel, in dem sie (Miriam, gespielt von Anouk Aimée) als Überlebende des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau die Gründe ihrer Rückkehr an diesen Ort nach fünfzig Jahren thematisiert und dort einen deutschen Photographen trifft, der sich auf einer Art photographischen Spurensuche befindet.
Über die Hintergründe finden Sie im Anhang einen Text von Marceline Loridan-Ivens.
Meine Aufgabe war es nun, im Vorfeld der Dreharbeiten, Photographien des Lagers zu machen, die im Film als das Ergebnis von Oskars Arbeit (der Photograph, gespielt von August Diehl) immer wieder auftauchen würden.
Im Juni flog ich nach Krakau, mit allen mir zur Verfügung stehenden Kamerasystemen, 50 Kilogramm Gepäck, als Resultat einer Unsicherheit über das zu Erwartende und dessen Umsetzung.
In den ersten Tagen besuchten wir gemeinsam Auschwitz-Birkenau und das ehemalige jüdische Viertel in Krakau.
Die Begehung des Lagers, zusammen mit Marceline, die Stelle ihrer Ankunft an den Abstellgleisen der Bahnstrecke Auschwitz-Dziedzice, das Betreten der Baracke, in der sie überlebt hatte, die Krematorien, die »Sauna«, in der die Entmenschlichung derer begann, die nicht sofort in die Gaskammern geschickt wurden, in der auch Marceline ihre Nummer eintätowiert bekam, die Verbrennungsstätten im Freien, wo tausende Leiber übereinandergeschichtet verbrannt wurden, die »Seen« gefüllt mit Menschenasche, »Kanada«, die Asservatenkammern mit dem geraubten Hab und Gut von Hunderttausenden und schliesslich die »Rampe« und das Haupttor, waren die Stationen dieses Rundgangs, der allen unmittelbar Beteiligten schon viel Kraft abverlangte, ganz zu Schweigen von dem, was es für eine Überlebende bedeuten musste.
Im ehemaligen jüdischen Viertel von Krakau, mit seinen zahlreichen Drehorten, trat uns an manchen Plätzen offenkundig Antisemitismus entgegen und ich bekam eine vage Ahnung von dem, was es bedeuten muss, Jude zu sein.
Nach der Abreise des Teams blieb ich und begann zu photographieren. Unzählige Bilder und Bildbände von Konzentrationslagern gingen mir seit Wochen durch den Kopf. Ich hatte bereits vor der Abreise den Entschluss gefasst, die entstehenden Bilder unabhängig vom Film zu nutzen und auch an ein neues Buch gedacht.
Grund dafür waren unter anderem die Bücher, die ich in der Zeit vor meiner Abreise gesichtet hatte, die sich mit dem augenblicklichen Zustand der Lager beziehungsweise heutigen Gedenkstätten auseinandersetzen und in der Regel wenig von dem transportierten, was sie in ihren Titeln und Texten als Absicht tragen.
In gewisser Weise macht natürlich beinahe jeder Beitrag Sinn. Die halbherzige, ästhetisierende Art der Abbildung, womöglich in tonreichem S/W Druck reproduziert, halte ich dagegen für verfehlt.
Bezeichnender Weise traf ich dann auch zwei Photographinnen, die mit Leica und Rotfilter den grösstmöglichen Kontrast herausarbeitend, um spektakuläre Aufnahmestandpunkte bemüht, in den Ruinen des Krematoriums III photographierten.
Nun habe ich dieses Buch gemacht und sicher auch einige Fehler, aber ich war mir bewusst über die mögliche Leistung dieser Arbeit und ihre Grenzen.
Das Klima von lähmendem Terror und unfassbarem Schrecken, das in Auschwitz einmal herrschte, kann heute niemand mehr reproduzieren, den Betrachter auch nicht durch vermeintlich dokumentarische schwarz/weiss Abbildungen in die Zeit des Schreckens zurückholen.
Es war daher für mich an der Zeit, mit Farbe diese Tradition zu brechen und den Ort so zu präsentieren, wie er sich heute im Juni zeigt, eine blühende Vegetation, eine versöhnlich wirkende Natur, die in Anbetracht der Stätte eigentümlich, teilweise unerträglich befremdet.
Die Bildauswahl folgt der Strecke, die Marceline mit uns gegangen war - von der Stelle ihrer Ankunft im Uhrzeigersinn durch das Lager bis zum Haupttor.
Aufgegriffen habe ich dabei das Stakkato der Schornsteine, Zaunpfeiler, Birken und anderer Landschaftsmarken zueinander - obwohl ich mir fest vorgenommen hatte weitestgehend auf Bildkompositionen zu verzichten.
Gegenübergestellt sind auszugsweise Texte aus den Erinnerungen des ehemaligen Kommandanten von Auschwitz, die er in Haft 1946 schrieb.
Es sind somit nicht Memoiren oder Tagebücher im eigentlichen Sinn, aber dennoch lässt sich hinter den teilweise larmoyant wirkenden Beteuerungen über ein Unwohlsein während gewisser Aktionen, der pervertierte Geist einer ganzen Generation von Tätern erahnen.
Die Bilder sind in gewisser Hinsicht der Schlüssel zu einer Auseinandersetzung mit dem Thema.
Es ist am Ende allerdings auch nicht mehr als eine Irritation, die ich zu leisten vermag über - wie Jan Philip Reemtsma es einmal formuliert hat - »etwas das in der Welt ist und nicht von dieser Welt sein darf«.
Vor allem ist dieses kleine Buch eine Hommage an Marceline Loridan-Ivens.
 
 
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