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  Rheinische Post
26.06.2006

Die geheime Siedlung


Von Klaus Peter Kühn

Unser Auslands-Nachrichtendienst BND öffnete einem Fotografen die sonst für Aussenstehende verschlossenen Pullacher Türen. Der Bildband des Aacheners Andreas Magdanz vermittelt eine Atmosphäre zwischen Tristesse und moderner Technik.

Der Aachener Fotograf Andreas Magdanz hatte offene Türen eingerannt, die für gewöhnliche Sterbliche sonst hermetisch verriegelt sind, als er vor zwei Jahren beim BND anfragte, ob er das geheimnisumwitterte Areal in Pullach bei München fotografieren dürfe. Einst als „Reichssiedlung Rudolf Hess“ für die NS-Partei-Elite angelegt (und damit der späteren SED-Bonzen- Siedlung Wandlitz verblüffend ähnlich), diente das Gelände nach dem Krieg zunächst amerikanischen Zensoren, bis die „Organisation Gehlen“, der Vorläufer des BND, einziehen durfte.

Das Jubiläum des Dienstes – in diesem Jahr ist der BND 50 Jahre geworden – und auch der bevorstehende Umzug von Pullach nach Berlin (inzwischen ist klar, dass nun doch grosse Teile der Dienststelle in Bayern bleiben werden) machten der BND-Führung die Entscheidung sicher leichter, das Vorhaben in jeder Weise zu unterstützen. Hinzu kam, dass Magdanz mit seinem Bildband über den ehemaligen Regierungsbunker im Ahrtal („Dienststelle Marienthal“) eindrucksvoll beweisen hat, dass er Stätten der Macht in Szene zu setzen weiss. So wurde diese Waldsiedlung der besonderen Art namens Pullach für eine halbes Jahr der Arbeitsplatz für Andreas Magdanz. Neben seiner klassischen Plattenkamera („präziser kann man nicht arbeiten als mit 4x5 inch“) war die Geduld das wichtigste Instrument des Lichtbildners. „70 Prozent der Zeit habe ich darauf verwendet, das Vertrauen der Menschen zu gewinnen.“

Auf den Fotos selbst ist keine einzige Person zu sehen, das war eine der Bedingungen für die Fotoerlaubnis. Im Übrigen kann Magdanz von keinen Einschränkungen berichten. Der Fotograf ist noch heute beeindruckt von der Souveränität, mit der sich der Dienst seinen Wünschen beugte. „Selten habe ich eine solche Offenheit vorgefunden.“

Einige der 3500 in Pullach arbeitenden BND’ler konnten es trotz vorheriger Information dennoch nicht glauben, dass da jemand von einer 16 Meter hohen fahrbaren Leiter aus über die Betonmauer fotografieren darf. Schliesslich müssen sie selbst beim Betreten der Anlage sogar ihre Fotohandys abgeben. Deshalb überprüfte der von besorgten BND-Bediensteten alarmierte Militärische Abschirmdienst gelegentlich die Papiere von Magdanz.

Entstanden ist ein vorwiegend in edlem Schwarzweiss gehaltener Band mit Bildern von fotografischer Finesse. Magdanz stellt im Gespräch mit unserer Zeitung fest, dass sich die historische Aufladung der in der NS-Zeit entstandenen Anlagenteile mit den Mitteln der Fotografie nur sehr bedingt transportieren lässt. Dies steht deshalb auch nicht im Mittelpunkt.

In dem Gesamt-Zyklus der Aufnahmen, die sowohl die Tristesse abwetzter Stühle und blätternden Putzes, aber auch die kühle Strenge modernster Technik abbilden, ist die sonderbare Atmosphäre von „Pullach“ zu spüren. „Das Gefühl von Macht, aber auch von einem gefährdeten Bereich“ wollte Magdanz einfangen. Er tat dies mit der technischen Perfektion seiner Plattenkamera. Auch bei der Entwicklung duldete er keine Kompromisse, die Aufnahmen wurden von einem Münchener Labor und keinem der BND-eigenen entwickelt. Die Offenheit war offenbar wirklich selten gross.
 
 
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