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  Mitteldeutsche Zeitung
10.04.2006

BND in Pullach gewährt ungewohnte Einblicke


Von Thilo Resenhoeft

Köln/Pullach/dpa. Der BND besorgt Informationen über das Ausland, sofern diese von aussen- und sicherheitspolitischer Bedeutung für Deutschland sind. Der Fotograf Andreas Magdanz besorgte exklusive Informationen über den BND, was ihm nach einer anderthalbjährigen Sicherheitsüberprüfung möglich war.

Für gewöhnlich lässt sich kein Nachrichtendienst derart in die Karten blicken wie durch die nun zu sehenden Bilder. Hintergrund ist der bis 2011 geplante Umzug des BND nach Berlin. Der Zugang zum nunmehr schon «alten», aber streng abgeschirmten Gelände bei München erfolgte abgesehen von einer ständigen Begleitung durch die Abteilung Sicherheit ohne Einschränkungen und Einflussnahme auf die künstlerische Arbeit, berichtet Magdanz zum Erscheinen seines Bandes «BND - Standort Pullach». Das Buch darf also mit Spannung aufgeschlagen werden.

Eines der Herzstücke des BND ist das Lage- und Informationszentrum. Hier wird das weltpolitische Geschehen ausgewertet. Sitzreihen, Tische, Computer und Videowände fügen sich zu einem streng symmetrischen Aufbau. Sterile Sauberkeit und klare Linien herrschen vor, alles ist sauber ausgeleuchtet. Es könnte auch der Leitstand der Nasa, der Börse oder eines Atomkraftwerkes sein. Links die grosse Weltkarte, rechts ein kleines Porträt von Bundespräsident Horst Köhler. Klarheit und Ordnung fast ohne Unterbrechung - das gilt für die «Personenvereinzelungsanlage» ebenso wie für das Rechenzentrum. Diese Umgebung schafft Raum für rationale Entscheidungen, untermalt vom Sirren der PC-Lüfter.

Klar und schmucklos wie die geweissten Gänge und Räume sind die Aufnahmen von Andreas Magdanz. Er richtet seine Kamera millimetergenau aus. Alle Linien laufen parallel, rechte Winkel bestimmen seine Bilder, die Tonwerte sind fein differenziert. Fast alle Bilder sind schwarz und weiss gehalten, das passt bestens zur nüchternen Behördenatmosphäre. Die Schauplätze des BND offenbaren allein eine strenge Funktionalität, die in der Summe der Bilder zutiefst ernüchternd wirkt, heisst es überaus treffend in der Beschreibung von Christoph Schaden. Nur Haus 37, der Sitz des Behördenchefs, strahlt ein bisschen repräsentative Atmosphäre aus: In einem holzgetäfelten Parkettsaal hängt ein Porträt von Friedrich II.

Das heute rund 68 000 Quadratmeter grosse Gelände war zunächst Wohnsiedlung für Mitarbeiter der Parteikanzlei der NSDAP und wurde um den Bau des Führerhauptquartiers «Siegfried» erweitert. Die US- Truppen wiesen das Areal 1947 der «Organisation Gehlen» zu, einer von den USA finanzierten und geführten Geheimorganisation. Am 1. April 1956 begann der Bundesnachrichtendienst als eine dem Bundeskanzleramt angegliederte Dienststelle seine Tätigkeit. Einzelne Räume gehen noch auf die NS-Zeit zurück, etwa eine heutige Schiessanlage in einem Teil der alten Bunkeranlagen. Auch sie ist in dem Band zu sehen. Ebenso wie ein altes Pförtnerhäuschen aus den 1950er Jahren, in dessen Jalousien sich die Blätter der Zimmerpflanzen verfangen haben.

Andreas Magdanz studierte Visuelle Kommunikation mit dem Schwerpunkt Fotografie in Mainz und Aachen. Von 1994 bis 1997 hatte er einen Lehrauftrag für Fotografie an der Fachhochschule Aachen inne. Die Anerkennung für sein Werk spiegelt sich in vielen Ausstellungen und Preisen wider. Seine neue, grossformatige Fotostrecke erschliesst das Gelände des BND auf fotografisch anspruchsvolle Weise. Die Bilder räumen zumindest teilweise mit dem Mythos des Nachrichtendienstes auf, weil sie die Banalität des mit Gerüchten, Annahmen und einer vieljährigen Geschichte überfrachteten Areals zeigen. Das Buch darf also ganz zu Recht mit grosser Spannung aufgeschlagen werden.

 
 
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