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Lokales - Samstag/Sonntag, 18./19. November 2000


In vier Jahren vom Bunker zur »blanken Röhre"
SCHLIESSUNG Rückbau des Ausweichsitzes der Verfassungsorgane in Marienthal beginnt 2001.
Fotograf dokumentiert das Bauwerk kunstvoll und realistisch in einem Buch

Von Christoph Lüttgen

BAD NEUENAHR-AHRWEILER. Über 188 023 Quadratmeter erstreckt sich der Regierungsbunker zwischen Marienthal und Dernau. Der gewaltige Bau besteht aus einem unterirdischen Stollensystem mit einer Gesamtlänge von 19 000 Metern und verfügt unter anderem über 936 Schlafzellen, 897 Büros, jeweils fünf Grosskantinen, Kommandozentralen und Sanitätsbauwerken sowie einer Druckerei und einem Friseur-salon. Im Ernstfall sollte dieser zwischen 1960 und 1972 erbaute »Ausweichsitz der Verfassungsorgane des Bundes« 3000 ausgewählten Personen das Überleben von 30 Tagen garantieren.

Die beeindruckenden Dimensionen brachten den Aachener Fotografen Andreas Magdanz dazu, den Regierungsbunker fotografisch zu erfassen, bevor im nächsten Jahr mit dessen Rückbau begonnen wird. In einem Zeitraum von sieben Monaten fertigte der 37-Jährige etwa 1000 Fotos von bestechender Qualität an. Davon fanden 100 den Eingang in das Buch »Dienststelle Marienthal - Eine Gebäudemonographie«, das er gestern im Kabinettssaal des Bunkers vorstellte.

"In etwa einem Jahr wird mit dem Rückbau des Bunkers begonnen«, meinte Thomas E. Hofmann von der Bundesvermögensabteilung der Oberfinanzdirektion Koblenz, die sich zwei Jahre lang vergeblich bemüht hatte, einen Käufer für die ungewöhnlichste aller Bundesimmobilien zu finden. Trotz 100 Anfragen und sechs konkreter Angebote gelang es nicht, »eine zukunftsträchtige zivile Anschlussnutzung des Bunkers zu finden."

Der letzte ernst zu nehmende Interessent war der niederländische Betreiber des »Kernwasser-Wunderlandes« in Kalkar, Hennie van der Moest. Überhaupt verursacht die Unterhaltung der unterirdischen Bauwerks riesige Kosten. Obwohl die Anlage nur noch zehn Stunden im Monat mit Licht versorgt beziehungsweise das Be- und Entlüftungssystem eingeschaltet werde, habe die jüngste Stromrechnung 25 000 Mark betragen. Ziel der 60 Millionen teuren und etwa fünf Jahre dauernden Rückbauarbeiten ist die »blanke Röhre«. Konkret: Die Bunkerstollen werden vollständig entleert. Von Hand müssen 480 000 Quadratmeter Wandfläche von Farbe befreit werden, so dass nichts ausser nacktem Beton im Berg zurückbleibt. Danach werden sich täglich 100 Kubikmeter Bergwasser in dem Bunker sammeln. Insgesamt werden 580 Kilometer Kabel und Leitungen zerlegt, 1000 Tonnen Bauschutt und 720 Tonnen Schrott anfallen. Während der Bauzeit wird ein erheblicher Lkw-Verkehr entstehen. »Um den kleinen Weinorten an der Ahr allzu viel Lärm zu ersparen, wird eigens eine Baustrasse vom Bunker zur Autobahn errichtet«, berichtet Hofmann.
 
 
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