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  Die unheimliche Stille der Monstrosität

von Michael Klarmann

Damit Fotografien auf den Betrachter wirken, sollte der Kontrast stimmen. Mit seinem neuen Fotobuch dokumentiert der Aachener Kunstfotograf Andreas Magdanz indes selbst einen Kontrast. Während saftig-grünes Gras, vor Kraft strotzende Birken und die in den Ruinen herumtollende Füchse einige Motive zur Idylle werden lassen, wirken etwa dieselben Ruinen - einst Krematorien - aus düsteren Perspektiven fotografiert so monströs und ungeheuerlich, wie der Massenmord an den Juden in Nazideutschland war.

»Auschwitz-Birkenau. Eine Hommage an Marceline Loridan-Ivens« dokumentiert im CD-Format die Arbeiten von Magdanz, die er für den im Frühjahr 2004 startenden Kinofilm »Birkenau und Rosenfeld« schuf. Regie führte Marceline Loridan-Ivens, Anouk Aimée spielt darin die autobiografisch angelegte Figur der Miriam, eine Überlebende des Lagers und eigentlich die Loridan-Ivens. Miriam besucht im Film das ehemalige Vernichtungslager und trifft dort auf einen deutschen Fotografen. Dessen, im Film gezeigten Bilder, nahm Magdanz nach einem Treffen mit Loridan-Ivens in Auschwitz-Birkenau auf. Der Fotograf setzte dabei nicht auf Schwarzweiss-Motive, sondern wählte Farbbilder. Sie heben die Distanz zur Vergangenheit auf und schaffen eine unmittelbare Nähe, die schmerzt - so sich der Betrachter darauf einlässt oder einzulassen Willens ist.

Eines der monströsesten Bilder ist zweifellos das der »Rampe«, fotografiert aus einer Perspektive, die deren eigentliche Ungeheuerlichkeit darstellt. Anders als in Filmen ist die Stille, »Leere« und Weite des Motivs entsetzlicher, als die meisten Spielfilmszenen, in denen Juden dort per Eisenbahn ankommen - oft geprägt von lautem, beengtem Chaos, ängstlichen Schreien, Hundegebell und den Schreien der SS-Schergen. Jene Stille in Magdanz' Motiven spiegelt in einer Art Duett mit den pervers-sachlichen Zitaten aus Notizen des ehemaligen Lagerleiters Rudolf Höss eben jene Monstrosität, die Auschwitz war.

 
 
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