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  Aachener Nachrichten, Kultur und Gesellschaft
Freitag 30.Juni 1995

Fotograf Andreas Magdanz
Immer neue Standorte

Von Annette Bosetti

Aachen. Er hält's mit Emile Zola, der 1901 sagte: »Meiner Ansicht nach kann niemand behaupten, etwas wirklich gesehen zu haben, bevor er es nicht photographiert hat.« Auch Andreas Magdanz ist überzeugt davon, dass Fotografie als wichtige »Vermittlungsleitung« zwischen der visuell erfahrbaren, gegenständlichen Welt und einer geistigen Wirklichkeit funktioniert. Der 31jährige Künstler fordert zeitlose Bilder. Er will den Nachweis erbringen, dass Fotografie so stark ist, dass man einen beinahe-objektiven Standpunkt finden kann. Er möchte Klischees überwinden, die in Millionen von Bildern tagtäglich verbreitet werden und uns ungefragt mit Inhalten und Bedeutungen einlullen. Nun ist auf die Arbeiten und theoretischen Ansichten des in Aachen lebenden Mönchengladbachers das Wissenschaftsministerium NRW aufmerksam geworden. Magdanz hatte sich dort um den Benningsen-Foerder-Preis beworben und wurde mit 50 000 Mark bedacht im Rahmen der regelmässigen Forschungsförderung, die nur Lehrende an Hochschulen erhalten können.

Diplom bei Wilhelm Schürmann

In Aachen hat der Diplom-Grafiker, der bei Prof. Wilhelm Schürmann Schwerpunkt Fotografie studiert hat, nicht nur 1993 den Förderpreis erhalten, sondern in zahlreichen Ausstellungen seine Sicht von Fotografie und seinen ungewöhnlichen Umgang mit dieser Disziplin präsentiert. 1994 war er von Museumsdirektor Schneider beauftragt, den Umbau des Aachener Suermondt-Ludwig-Museums in allen Phasen dokumentarisch zu begleiten. Das Ergebnis waren sehr freie künstlerische Fotoarbeiten, ästhetische Momentaufnahmen, die manchmal spannender als das Endergebnis ausfielen. Magdanz macht grundsätzlich keine Porträts; wenn er Menschen fotografiert, belichtet er so lange, bis die Person in einer Art schemenhafter Abstraktion erscheint. Manche Fotografien haben starke bildhauerische Kraft, die Schwarz-Weiss-Kontraste sind entlang von Figuren und Konturen geradezu »herausgemeisselt«. Andere, wie etwa die mit der Spionkamera aufgenommenen Landschaften in Island, weisen die Licht- und Farbpunkte eines impressionistischen Gemäldes auf. »Nicht nur einen Standpunkt sehen« - das ist Magdanz sehr wichtig. Lehrreich auf dieser Suche sind ihm seine vielen Reisen und seine Liebe zur Natur. Dabei experimentiert er mit Papier und Emulsionen, wechselt Formate und setzt verschiedene Kameras ein. Magdanz erzählt mit seinen Fotos die Geschichte vom genauen Hinsehen - geleitet von einem sicheren Instinkt. »Bis die Kamera das verlängerte Auge ist, das dauert Jahre.« Und er geht noch einen Schritt weiter: Für ihn ist Fotografie das meinungsbildende Instrumentatrium schlechthin. »Millionen werden für Studien ausgegeben«, sagt er, »die keiner liest.« Die Fotografie erfasse viel schneller. Man darf gespannt auf das neue Förder-Projekt warten, über das er jetzt noch nicht gern spricht. Nur soviel wird verraten: Es wird ein Zeit-Zeugnis komplexer Art - vielleicht aufgenommen in St. Petersburg.
 
 
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